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Zum Galileo-Bericht: „Auf der Suche nach dem gekauften Like“

Das ProSieben Magazin Galileo berichtete in seiner Ausgabe von Montag, 22. August 2016 über den Kauf von Facebook-Likes bei dubiosen Firmen in Indien und Bangladesch.

In diesem Beitrag wird unter Anderem die reißerische Behauptung aufgestellt, die Anzahl der Likes einer Seite seien „die Währung des Internets“. Zudem würden sie den Beliebtheitswert einer Person darstellen. Daher würden Firmen genauso wie Prominente bei entsprechenden Dienstleistern Likes von Fake-Profilen einkaufen.

Fakt ist, es gibt diese unseriösen Firmen, die Fake-Profile in sozialen Netzwerken anlegen und deren Likes entsprechend verkaufen. In der Aufklärung über Sinn und vor allem Unsinn macht es sich dann Galileo viel zu einfach und verpasst es gänzlich, auf die Gefahren hinzuweisen. Stattdessen dürfen sich die Angestellten der Firmen ungeniert selbst als „Social Media Experten“ preisen.

Der Algorithmus bestimmt.

Facebook Posts werden nicht in die Timeline aller Seiten-Fans befördert, sondern nur einem gewissen Prozentsatz. Das Netzwerk bedient sich eines Algorithmus (gemeinhin als „EdgeRank“ bekannt) um zu ermitteln, welche Beiträge welcher Pages den einzelnen Nutzern angezeigt werden. Daraus ergibt sich die sogenannte organische Reichweite.

Die absolute Zahl von Fans einer Seite ist hierfür zunächst einmal wenig von Bedeutung, zumal es der Marke nichts bringt, wenn ihre Posts nur Fake-Accounts angezeigt werden. Die magische Komponente ist in erster Linie die Interaktion! Damit Beiträge einer Seite im Algorithmus höher gehandelt werden, muss die Seite ein gewisses Maß an Beteiligung der Fans (Reaktionen, Kommentare, Shares…) aufweisen. Fake-Accounts, welche die Seite einmal liken und danach nie wieder interagieren, schwächen sie daher im schlechtesten Fall sogar dadurch, dass die Interaktionsrate gesenkt wird. Wichtig für eine FB-Page sind daher „qualitative Fans“, welche sich auch tatsächlich für die zur Verfügung gestellten Inhalte interessieren.

Die zweite Gefahr betrifft die zielgruppengenaue Ausspielung der Beiträge: Hat die Page nun einen hohen Anteil von Fans aus Indien und Bangladesch, geht der Algorithmus davon aus, dass die Inhalte für diese Region am ehesten interessant ist. Dadurch kann es dazu kommen, dass Nutzer am eigentlichen Standort die Beiträge gar nicht mehr angezeigt bekommen.

Zumindest hat Galileo darauf hingewiesen, dass diese Art der Like-Beschaffung ein Verstoß gegen die Nutzungsbedingungen von Facebook ist – im schlimmsten Fall droht bei Bekanntwerden die Löschung der Seite.

Fanbasis aufbauen – aber richtig!

Qualitiative Fans erreicht man daher am Besten mit interessanten und informativen Inhalten, die den Usern einen Mehrwert bringen. Natürlich kann man auch mit finanzieller Investition seine Fanbasis erhöhen… dies geschieht jedoch am Besten und effektivsten mit zielgruppengerichteten Anzeigen. Damit wird sichergestellt, dass man Nutzer erreicht, die sich im besten Fall langfristig und vor allem aktiv an die Page binden.

Das Geschäftsmodell des „Like-Buying“ sollte daher eigentlich schon längst tot sein, da es nicht nur keinen Nutzen bringt, sogar erhebliche negative Auswirkungen auf die entsprechende Facebook-Page hat. Leider hat Galileo mit diesem Bericht eher zum Mythos beigetragen.

Sie haben noch Fragen zum Thema Facebook-Pages und Reichweitenerhöhung? Sprechen Sie uns an!

Den kompletten Galileo-Bericht können Sie hier sehen: Link zum Clip

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2 Antworten

  1. Norbert Deyle
      / Antworten

    Das bedeutet aber doch auch, dass die Nutzerzahlen von Facebook so in der Form nicht wirklich realistisch sind, da eine Menge gefälschter Profile dieser Firmen existieren?

    1. Nicolai Fleckenstein
        / Antworten

      Komplett falsch werden sie sicher nicht sein, da FB natürlich versucht, diese aufzuspüren und zu löschen. Aber eine gewisse Abweichung von der tatsächlich aktiven Nutzerzahl wird da sein. Allerdings versuchen die Firmen ja auch, diese Profile zu „tarnen“, indem Profilbilder hochgeladen werden und Freundschaften geschlossen werden. Damit möchte man die automatische Fake-Überprüfung täuschen, wie auch schon im Galileo Beitrag angesprochen. Bekommt man als Nutzer eine Freundschaftsanfrage eines noch nicht lange aktiven Profils mit nur 1 oder 2 Bildern und kaum Inhalten, welches aber schon viele Pages geliket hat, ist die Wahrscheinlichkeit eines Fakes für diese Zwecke hoch.

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